E-Paper - 20. Dezember 2018
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Weihnachten im Spital, im Gefängnis oder der Kirche

Von Tamara Schäpper

Man wünscht sich gegenseitig besinnliche, schöne Festtage im Kreise der Familie und geht damit davon aus, dass es dem Gegenüber auch so widerfahren wird. Für viele Menschen gilt das aber nicht. Vielleicht weil sie niemanden haben, vielleicht weil sie krank sind oder weil sie Weihnachten nicht zu Hause verbringen dürfen.

Frauenfeld O du fröhliche, O du selige So heisst es im Lied, so wird Weihnachten bei vielen Familien gefeiert. Bei vielen, nicht aber bei allen. Es gibt Menschen, für die sind die Weihnachtstage die schrecklichsten im Jahr. Anna gehört zu diesen Menschen. Sie ist alleine. Nicht im Sinne von gerade ist niemand bei ihr, sondern sie ist wirklich allein. Kinder hatte sie nie. Ihr Mann ist vor einigen Jahren verstorben, ihre Eltern schon lange. Zu ihrem einzig noch lebenden Bruder hat sie keinen Kontakt. Anna kränkt die Weihnachtszeit. Alle Menschen scheinen glücklich, freuen sich auf die Zeit mit ihrer Familie. Nur sie ist allein. Damit liegt sie falsch. In Frauenfeld gibt es einige, die keine Familie mehr haben. Und genau für diese Menschen, organisiert der evangelische Pfarrer Marcel Schmid jedes Jahr die Weihnachtsfeier für Jung und Alt.

Nicht nur ältere Menschen haben Mühe mit Weihnachten

Bewusst spricht er damit auch jüngere Menschen an. «Denn es gibt auch Familien, die es an Weihnachten besonders schwer haben und nicht zu Hause feiern möchten», sagt Schmid. Nach einem kurzen Moment des Kennenlernens begibt man sich am Weihnachtsfeiertag also in die Kirche Kurzdorf, singt Weihnachtslieder und hört die Weihnachtsgeschichte. Dann gibt es Raclette. Für Schmid ist die Feier der Inbegriff des christlichen Glaubens. «Schliesslich dreht sich im Christentum doch alles um die Nächstenliebe, darum, für andere da zu sein», sagt er. Abgehalten wird die Feier nicht im Auftrag der Stadt, sondern aus freiem Willen des Pfarrers. Seine Familie ist im Übrigen in die Feier involviert. So kann Schmid mit seiner Familie und allen anderen gemeinsam Weihnachten feiern.

Weihnachten hinter Gittern

Nicht alleine, dafür eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit sind die Insassen im Gefängnis Frauenfeld natürlich auch über Weihnachten. Doch wie die berühmte Weihnachtsdekoration ausserhalb der Anstalt schon verrät, wird auch hinter den gelben Mauern Weihnachten gefeiert. Die Personen im Strafvollzug oder in der administrativen Haft dürfen über die Weihnachtszeit private Besuche gemäss den bestehenden Richtlinien empfangen. «Bei den Personen in strafprozessualer Haft entscheidet die Verfahrensleitung über den Empfang von privaten Besuchen», erklärt Markus Städler, Leiter der Gefängnisse vom Amt für Justizvollzug. Auf das Weihnachtsessen müssen die Insassen jedoch verzichten. «Die Gefangenen erhalten wie gewohnt eine ausgewogene Ernährung», sagt Städler. Gekocht wird das Essen für das Gefängnis im Übrigen vom Kantonsspital Frauenfeld.

Wichtel unterwegs im Spital

Katja Herzog ist diplomierte Pflegefachfrau HF und arbeitet über Weihnachten. Und das gerne. «Denn auch im Spital und auf den Bettenstationen herrscht zu dieser Zeit eine besondere Stimmung», sagt sie. Auch wenn die Tage vor Weihnachten im Spital in der Regel noch hektisch sind, werde es von Tag zu Tag ruhiger. Denn, jene Patienten, denen es möglich ist, verbringen Weihnachten zu Hause. «Dann nehme ich mir, wenn es die Arbeit erlaubt, dafür gerne etwas mehr Zeit für jene Patienten, die hier bleiben», sagt Herzog. Damit aber nicht nur bei den Patienten, sondern auch beim Team Weihnachtsstimmung aufkommt, wird im Kantonsspital Frauenfeld auf vielen Stationen gewichtelt. «Und auch ein feiner Znüni oder ein festliches Abendessen darf über die Festtage natürlich nicht fehlen», sagt sie. Und auch wenn auf brennende Kerzen oder leicht entflammbare Dekoration verzichtet werden muss, werden die Stationen vom Pflegepersonal mit viel Kreativität liebevoll geschmückt.

Die Weihnachtsfeier im Spital

Traditionell findet am 24. Dezember, um 15 Uhr die Patientenweihnachtsfeier, heuer unter dem Motto «Weihnachtskrippe das Christkind in unserer Stube / in unserem Zimmer», in der Spitalkapelle statt. Die Feier wird von den Spitalseelsorgern und einigen Helfern organisiert und durch den BelCanto-Chor Frauenfeld musikalisch umrahmt. Damit Angehörige genügend Zeit mit ihren Lieben verbringen können, werden die Besuchszeiten über die Festtage verlängert und wie zu Hause gehört auch hier ein kleines Geschenk zur Weihnachtsfeier für die Patienten.

Frauenfelder Nachrichten vom Donnerstag, 20. Dezember 2018, Seite 1 (37 Views)

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